Das Leaky-Gut-Syndrom – wenn die Darmgesundheit leidet

Das Leaky-Gut-Syndrom – wenn die Darmgesundheit leidet

Spannende Fakten über den Darm

Der Darm stellt den wichtigsten Teil des Verdauungstraktes des Menschen dar. Das schlauchförmige Organ beginnt am Ausgang des Magens, unterteilt sich in Dünn- und Dickdarm und endet mit dem Mastdarm. Er besitzt eine Länge von ca. 6 Metern und ist mit zahlreichen Falten und Zotten ausgestattet, die die Resorptionsfläche um ein Vielfaches vergrößern. Würde der Darm „glattgestrichen“ werden, misst der Darm eine Fläche von über 250 Quadratmetern und entspricht somit der Größe eines Tennisfeldes. Vor allem im Dickdarm befindet sich eine Vielzahl von Mikroorganismen. Allein ein Quadratzentimeter Darminhalt beinhaltet mehr Bakterien, Pilze und Viren als die Gesamtbevölkerung der Erde und die Gesamtheit aller Bakterien im Darm wiegt zusammen etwa ein halbes bis zwei Kilogramm [1]. Die Darmbakterien beeinflussen auch die Gehirnfunktion in hohem Maße, es besteht dadurch eine ausgeprägte Darm-Hirn-Verbindung. Die Darmwand verfügt zusätzlich über eine kräftige Muskulatur mit mehreren Millionen Muskelzellen, die für eine koordinierte Bewegung des Speisebreis während der Darmpassage sorgen. Außerdem besitzt der Darm über 100 Millionen Nervenzellen, deren Verschaltungen ähnlich komplex arbeiten wie im Gehirn. Deshalb ist beim Darm auch oft die Rede von einem „Bauchhirn“. 

Ursache und Symptome eines Leaky-Gut-Syndroms

„Alle Krankheiten beginnen im Darm“- Hippokrates (um 460 v. Chr.)

Hippokrates war ein griechischer Arzt und gilt als „Vater der Medizin“. Der nach ihm benannte Hippokratische Eid wurde zu einem wegweisenden Dokument und enthält Elemente , die bis heute Bestandteil ärztlicher Ethik sind. Auch seine Sichtweise, dass viele Krankheiten im Darm beginnen, war sehr fortschrittlich und kann durch heutige wissenschaftliche Erkenntnisse häufig bestätigt werden.

Bei Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Neurodermitis, Allergien, Migräne oder dem chronischen Müdigkeitssyndrom wird bei der Ursachenforschung erstmal nicht an den Darm gedacht, doch Studien konnten zeigen, dass auch bei diesen Erkrankungen mehrheitlich ein Leaky-Gut-Syndrom, also ein durchlässiger Darm, vorliegen könnte [2][3]. Doch wie kommt es zu dieser Darmerkrankung?

Der gesamte Verdauungstrakt ist mit einer Schleimhaut, der Mukosa, überzogen. Beim Leaky-Gut-Syndrom ist die Mukosa unphysiologisch durchlässig. Die sogenannten tight junctions in der Mukosa sind Strukturen aus Membranproteinen, die dafür sorgen, dass die Zellen der Darmschleimhaut eine Barriere bilden. Diese Barrierefunktion soll verhindern, dass schädliche Bakterien oder andere unerwünschte Substanzen durch die Darmwand wandern und dadurch ins Blut gelangen. Andererseits sind die tight junctions durchlässig für Wasser, Elektrolyte und gewisse Nahrungsbestandteile. Weist die Darmbarriere bei einem Leaky-Gut-Syndrom nun jedoch Lücken auf und ist somit undicht, gelangen unerwünschte Stoffe in die Blutbahn, was zahlreiche, diffuse Beschwerden nach sich ziehen kann. Zu diesen vielfältigen Symptomen gehören unter anderem Reizdarmprobleme wie Durchfall, chronische Müdigkeit, Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen, chronische Gelenk- und Muskelschmerzen, Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen, Nervosität oder Hautprobleme wie Akne, Ekzeme und Neurodermitis.

Zu den möglichen Ursachen eines Leaky-Gut-Syndroms gehören eine falsche Ernährungsweise, die Einnahme von Medikamenten, Stress, Vitalstoffmängel, Dysbiosen, also eine Fehlbesiedlung des Darms oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten gegenüber zum Beispiel Gluten und Kasein. Gluten ist das Klebereiweiß aus vielen Getreidesorten wie Weizen, Dinkel oder Roggen. Kasein stellt das Milcheiweiß aus Käse und anderen Kuhmilchprodukten dar. Eine Untersuchung beim Arzt oder Heilpraktiker auf bestimmte Parameter mittels einer Stuhlprobe kann zeigen, ob die Darmschleimhaut gesund oder durchlässig ist.

Wie kann ich meine Darmgesundheit unterstützen?

Personen mit Darmbeschwerden oder einem diagnostizierten Leaky-Gut-Syndrom sollten ihren Konsum von Zucker und einfachen Kohlenhydraten aus Weißmehlprodukten wie Weißbrot und süßen Backwaren etc. reduzieren. Ebenso sollten gesättigte Fette aus tierischen Produkten wie Käse oder Wurst weitestgehend gemieden werden. Diese Lebensmittel fördern entzündliche Prozesse und können auch die Symptomatik eines Leaky-Gut-Syndroms verstärken. Bestehen individuelle Nahrungsmittelunverträglichkeiten, gilt es diese Stoffe zu vermeiden, um ständige Irritationen zu vermeiden und die Ausheilung einer gereizten Darmschleimhaut zu fördern. Um die Regeneration der Darmschleimhaut zusätzlich zu unterstützen, können schleimbildende Pflanzenstoffe aus Leinsamen, Kamille,  Eibischwurzel oder Süßholzwurzel angewendet werden. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung sollte auch die ausreichende Zufuhr an Mikronährstoffen von insbesondere Vitamin A, Vitamin D3,  Zink und B-Vitaminen sowie Omega-3-Fettsäuren sicherstellen. Einen besonderen Stellenwert in Bezug auf die Darmgesundheit besitzt die Aminosäure L-Glutamin, denn für die Darmschleimhaut ist L-Glutamin die Hauptenergiequelle. Glutamin kann sich heilend und regenerierend auf die Mukosa auswirken [4], ein Mangel führt andererseits zu Störungen in der Darmfunktion. Liegen Störungen in der Zusammensetzung der Darmbakterien in der Darmflora einem durchlässigen Darms zu Grunde, können probiotische Präparate hilfreich sein, indem sie fehlende „gute“ Bakterien dem Darm zuführen. Bei der Ausheilung eines Leaky-Gut-Syndroms ist demzufolge eine konsequente Umstellung auf eine individuelle, darmfreundliche Ernährung notwendig und auch etwas Geduld gefragt, denn die Heilungsphase des Leaky-Gut-Syndroms kann einige Monate in Anspruch nehmen.

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Quellen:

[1] Die Darm-Hirn-Connection; Gregor Hasler; ISBN:978-3-608-40002-1

[2] Migraine associated with gastrointestinal disorders: review of the literature and clinical implications, Frontiers in Neurology, Nov. 2014

https://doi.org/10.3389/fneur.2014.00241

[3] Does the epithelial barrier hypothesis explain the increase in allergy, autoimmunity and other chronic conditions?

https://doi.org/10.1038/s41577-021-00538-7

[4] Glutamine and whey protein improve intestinal permeability and morphology in patients with Crohn's disease: a randomized controlled trial, April 2012

https://doi.org/10.1007/s10620-011-1947-9

 

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